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Hjørring ist eine sogenannte „købing“ – in ihr schlägt das Herz einer Handelsstadt. Es handelt sich um eine „Achsenstadt“, also eine Stadt, die nur über Land zu ereichen ist, im Gegensatz zu einer „Strandstadt“, die vom Wasser her erreichbar ist, auch aus fremden und exotischen Teilen der Welt. Hjørring ist auf allen Seiten von Land umgeben und war schon immer eng mit seinem Hinterland verbunden und von ihm abhängig. Jahrhundertelang war es Zentrum für Handel, Service und Verwaltung und ist es auch heute noch.

Die Entstehung der Stadt
Die Stadt entstand auf einer Hügelinsel aus Gestein, Schotter, Sand und Lehm, die das Binneneis während der letzten Eiszeit zusammengeschoben hatte. Archäologische Funde haben ergeben, dass die Hügelinsel bereits vor 10.000 Jahren bewohnt war. Die erste bescheidene Bebauung entstand am Schnittpunkt dreier Straßen, und die Endung „-ing“ im Ortsnamen deutet darauf hin, dass dies bereits gegen Ende der Vorzeit der Fall war. Der lateinische Name Hjørrings, „Heringa“, ist auf einer Münze zu finden, die um das Jahr 1150 in Hjørring geprägt wurde.

Zu Beginn des Mittelalters hatte sich Hjørring zu einer richtigen Stadt entwickelt mit Handelsbuden, Werkstätten und Bauernhöfen rund um einen Marktplatz. Im 12. und 13. Jh. wurden die Kirchen Sct. Olai, Sct. Hans und Sct. Catharina erbaut – sie sind die einzigen Bauwerke, die aus dem mittelalterlichen Hjørring erhalten sind. Schon früh bildete die Stadt den Rahmen für das Rechtswesen. Grundstückshandel oder Erbangelegenheiten wurden vor dem Sysselting verhandelt, und die katholische Kirche hielt Synoden ab, bei denen kirchliche Rechtsstreitigkeiten entschieden wurden. 1243 erhielten die Bürger von Hjørring eine Reihe rechtlicher und handelsmäßiger Privilegien zum Wohle der armen kleinen Stadt.

Der Schriftsteller Knuth Becker (1891-1974) wurde in Hjørring geboren und wuchs dort auf. 1943 schrieb er anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums folgende Zeilen: „Die Geschichte Hjørrings mit Berichten über schwere Feuersbrünste und andere Unglücke, über Armut und Genügsamkeit zu lesen, ist wie das Lesen eines nordjütländischen Buchs Hiob.“

Die Entwicklung der Stadt gewann erst in den letzten hundert Jahren der 700-jährigen Stadtgeschichte an Fahrt.

Die Entwicklung der Stadt
1855 war Hjørring eine Kleinstadt, in der Tierhaltung und Misthaufen noch immer zum Stadtbild gehörten. Die Landwirtschaft war zu diesem Zeitpunkt noch einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt. Die großen Kaufleute aus Hjørring verkauften landwirtschaftliche Erzeugnisse weiter an Kaufleute anderer Städten, und die Schnapsbrenner verwendeten Roggen, Gerste und Kartoffeln aus eigenem Anbau. Es war auch nichts Ungewöhnliches, dass die Gewerbetreibenden nebenbei auch Landwirtschaft betrieben.

Dass sich Hjørring in den Jahren bis 1855 zu einer Handels- und Verwaltungsstadt entwickelte, prägte jedoch ebenfalls das Stadtbild. Es gab ein Telegrafenamt und ein Geldinstitut, ein Krankenhaus, ein neues Rathaus und später ein neues Zuchthaus. Die Straßen wurden gepflastert, es wurden Petroleumlaternen aufgestellt und ein Park angelegt.

1794 wurde Hjørring Sitz des neu eingerichteten Landkreises Hjørring Amt, und 1855 bildeten die Beamten der Hardenverwaltung und des Gerichtswesens – mit zugehörigen Haushalten – ca. 10 % der Einwohnerzahl. Gleichzeitig lebten ca. 25 % der Einwohner in Armut. Dazu gehörten Tagelöhner, Näherinnen, Dienstboten und Kleinhandwerker. Es gab zwar viele verschiedene Arten von Handwerkern in Hjørring, aber zum einen waren es zu viele, zum anderen erhielten die städtischen Handwerker Konkurrenz von ihren Kollegen auf dem Lande.

Den größten Zuwachs konnten 1855 die drei Schnapsbrennereien in Hjørring verzeichnen. Die vielen Gasthäuser, Gasthöfe und Kleinkaufleute bildeten einen großen Absatzmarkt. Die Produktion von Branntwein wurde mit Hilfe von Dampf mechanisiert. Auf diese Weise ließen sich große Mengen herstellen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es in Hjørring auch zahlreiche geschäftige Handwerksunternehmen – Eisengießer, Seiler, Gerber, Kürschner, Goldschmiede und Uhrmacher.

Die Manufakturhändler und die wenigen großen Kaufleute waren zusammen mit den Schnapsbrennern die wohlhabendsten Bürger der Stadt. Die Kaufleute handelten mit importierten Kolonialwaren. Doch obwohl es von Hjørring bis nach Løkken, Aalborg und Frederikshavn Schotterstraßen gab, waren die Kaufleute noch immer auf den beschwerlichen und langsamen Transport mit Pferdekutschen angewiesen. Hier bekamen die Kaufleute von Hjørring Konkurrenz von den Ochsenhändlern aus Løkken und von den Kaufleuten aus Frederikshavn, das bereits 1835 einen Hafen erhielt. Das Transportproblem löste sich erst 1871 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Nørresundby und Frederikshavn.

Hjørring heute
1970 wurde die Kleinstadtkommune Hjørring mit mehreren anderen kleinen Gemeinden zusammengelegt. Die Einwohnerzahl stieg damit um knapp 40 %. 2007 erfolgte die Zusammenlegung mit den Kommunen Hirtshals, Sindal und Løkken-Vrå, wodurch sich die Einwohnerzahl in der Kommune verdoppelte. Die Hjørring Kommune ist heute die größte in der Region mit ca. 68.000 Einwohnern. Mit ca. 25.000 Einwohnern ist Hjørring heute die größte Stadt der Kommune und liegt direkt in deren Zentrum. Noch immer ist die Stadt Zentrum für Handel, Service und Verwaltung, doch dank ihrer zentralen Lage und Größe ist sie auch Zentrum für Ausbildung und Kultur.

Mit dem Ausbau der Autobahn 2002 durch Vendsyssel sind Stadt und Landesteil heute noch schneller und einfacher zu erreichen. Auch der Flughafen bei Aalborg ist relativ nahe gelegen.

Handel, Service und Verwaltung
Als Verwaltungssitz des alten Kreises Hjørring befinden sich in der Stadt traditionsgemäß staatliche Einrichtungen. Einer der großen Arbeitgeber ist das Militär. Im Zuge der Regionalentwicklung wurde 1971 das Materialkommando des Heeres (HMAK) von Kopenhagen nach Hjørring verlegt, was einen gewaltigen Schub für das dortige Baugewerbe und die Beschäftigungsmöglichkeiten bedeutete. Das HMAK beschäftigte viele Mitarbeiter und verschiedene Arten von Arbeitskräften – von hochqualifizierten bis hin zu ungelernten.

Die zahlreichen Neubürger brachten auch Schwung in den Handel und in das Kultur- und Vereinsleben der Stadt. Heute arbeiten noch immer viele Menschen für das Militär, denn Hjørring ist Sitz von Personaldienst, der Rechnungsabteilung sowie dem „Forsvarets Bygnings- og Etablissementstjeneste“, der sämtliche Gebäude und Einrichtungen des Militärs verwaltet und betreibt.

Mit dem Finanzverwaltungszentrum Hjørring befindet sich eine weitere große staatliche Behörde in der Stadt, das neben der Hjørring Kommune auch für die Kommunen Brønderslev-Dronningslund und Frederikshavn zuständig ist.

Zu den weiteren großen öffentlichen Arbeitgebern gehört das Krankenhaus Vendsyssel, eine Zusammenlegung der ehemaligen Kliniken Frederikshavn-Skagen und Hjørring-Brønderslev. Die ersten Gebäude auf dem Klinikgelände in Hjørring wurden 1891 in Betrieb genommen. Ende der 1920er Jahre wurde die Entscheidung getroffen, das Krankenhaus Hjørring – als erstes im ganzen Land – zum Zentralkrankenhaus des ehemaligen Kreises Hjørring auszubauen. Seitdem kamen laufend verschiedene Spezialabteilungen hinzu.

Seit der Kommunalreform 1970 war Hjørring das Zentrum der kommunalen Verwaltung und ist es auch heute nach der Kommunenzusammenlegung 2007. In den Rathäusern der vier alten Kommunen wurden Bürgerservicezentren eingerichtet, und auch einige Verwaltungsbereiche sind hier ansässig; Leitung und Verwaltung der Kommune sind jedoch im Codangebäude in Hjørring zusammengefasst. Auch die Kommunalverwaltung gehört zu den großen Arbeitgebern der Stadt.

Das Regionalentwicklungsgesetz war von großer Bedeutung für Hjørring. Es wurde 1958 verabschiedet und war ein Versuch, die Schieflage Dänemarks – Unternehmen und Institutionen konzentrierten sich in der Region Kopenhagen, während die Randgebiete stagnierten – auszugleichen. Das Gesetz beinhaltete, dass Firmen, die sich in der Provinz ansiedelten, oder bereits existierende Unternehmen in der Provinz von staatlichen und kommunalen Förderprogrammen profitieren konnten. Vor der Verabschiedung des Gesetzes war Hjørring von stagnierenden Einwohnerzahlen, niedrigen Einkommen, hoher Arbeitslosigkeit und hohen Kommunalsteuern geprägt.
Durch diese Stagnation konnte die Stadt ihre Position als Regionalhauptstadt kaum halten. Doch seit Mitte der 1960er Jahre mauserte sich Hjørring zum „Dänischen Meister der Regionalentwicklung“, und im Laufe eines Jahrzehnts wurden mit Hilfe von Regionalentwicklungsgeldern knapp 20 Unternehmen angesiedelt. Knapp die Hälfte musste wieder schließen, doch wurden die leeren Räumlichkeiten von neuen Firmen übernommen. Damit war auch in Hjørring die Zeit der Industrialisierung angebrochen.

Die Stadt verfügt über eine reiche und vielfältige Gewerbestruktur, die von einer soliden Grundlage vieler kleiner und mittelgroßer Firmen bis hin zu großen Unternehmen mit vielen Mitarbeitern reicht. Es sind viele verschiedene Branchen vertreten: Industrieproduktion, Nahrungsmittelbranche, Baugewerbe, Informations- und Kommunikationstechnologie, Geschäftsservice, Handel, Grafikindustrie u. v. a. m. Im Zuge der Globalisierung hat Hjørring in den letzten Jahren einen markanten Wechsel in der Gewerbestruktur erlebt, von einer Stadt mit wenigen großen Produktionsunternehmen mit vielen Mitarbeitern hin zu einem Standort mit vielen kleinen, mittelständischen und größeren Unternehmen in starkem Wachstum. Durch seine geografische Lage verfügt Hjørring über ein großes Hinterland an Kunden und Arbeitskräften. Außerdem gibt es hier eine blühende Selbtständigkeitskultur. Es kommt noch immer zu vielen Existenzgründungen, die sich gleichmäßig auf alle Branchen verteilen.

In den 1970er und 80er Jahren erlebte das Handelsleben Hjørrings eine Veränderung – im Laufe von ca. 25 Jahren reduzierte sich die Zahl der Lebensmittelgeschäfte im Zuge des Vormarsches der Supermärkte auf ein Viertel. Hjørring ist jedoch noch immer die größte Handelsstadt der Region mit vielen Supermärkten, einem Discount-Verbrauchermarkt und knapp 200 Fachgeschäften. Das Stadtbild im Zentrum spiegelt die Entwicklung der Stadt wider: Wo sich einst eine große Fabrik befand, blühen nun Handel und Kultur, und mit der Einweihung des großen neuen Shoppingcenters „Metropolen“ Anfang 2008 wird Hjørring einen weiteren Schritt vollziehen, um für Einwohner und Besucher aus ganz Vendsyssel noch attraktiver zu werden.

Ausbildung
Neben vielen Volksschulen, drei Privatschulen und der „Efterskole“ (Internatsschule u. a. für die 10. Klasse) gibt es in Hjørring auch zahlreiche weiterführende Ausbildungseinrichtungen, welche die Stadt zum Ausbildungszentrum Vendsyssels machen. Dazu gehören das Hjørring Gymnasium og Hf-kursus, das älteste Gymnasium der Region, das gewerbliche Ausbildungszentrum ErhvervsUddannelsesCenter Nord (EUC Nord), das aus den Einrichtungen Hjørring Tekniske Skole, Frederikshavn Tekniske Skole, Handelsskolen i Hjørring und Erhvervsgymnasiet (HHX und HTX) hervorgegangen ist. Hinzu kommt das breite Angebot von EUC Nord an wirtschaftsbezogenen Kursen für Führungskräfte und Mitarbeiter. EUC Nord betreibt Abteilungen in Hjørring und Frederikshavn. An der Musischen Schule Hjørring wird im Rahmen des Musikalischen Grundkursus (MGK) vorbereitender Unterricht für das Musikkonservatorium erteilt. Und dann gibt es noch das Erwachsenenbildungszentrum Voksen UddannelsesCenter (VUC Vendsyssel Vest), das Unterricht für Erwachsene auf allen Stufen anbietet, die Sozial- und Gesundheitsschule (SOSU Nord), die Krankenpflegerausbildung Vendsyssel (Sundheds CVU Nordjylland) und das Hjørring Seminarium mit Lehrer- und Pädagogikausbildung.

Für Stadt und Region ist es wichtig, dass das Ausbildungsniveau mit dem restlichen Dänemark Schritt hält. In diesem Zusammenhang ist die Nähe zur Aalborg Universität von großer Bedeutung.

Kultur
Hjørring verfügt auch über zahlreiche kulturelle Einrichtungen in den Bereichen Museum, Theater und Musik.

Hier ist das Historische Museum Vendsyssel zu nennen, das alte Regionalmuseum von Vendsyssel. Es beschäftigt sich sowohl mit Archäologie als auch mit neuerer Geschichte und betreibt Abteilungen an verschiedenen Orten innerhalb der Kommune.

In der Stadt gibt es auch ein schönes neues Kunstmuseum, das in einer stillgelegten Textilfabrik untergebracht ist und u. a. als Rahmen für Konzerte dient, insbesondere für kleinere lokale Orchester der Musikschule.

Hjørring verfügt auch über ein eigenes Regionaltheater, Vendsyssel Theater, das zu den erfolgreichsten in Dänemark gehört. Volles Haus verzeichnet auch das Hjørring Theater, ein Theaterverein mit Räumen im Vendelbohus, der Gastspiele in der Stadt organisiert. Wer sich eine der beiden Revuen der Stadt anschauen möchte, die landesweit bekannte Hjørring Revue oder die lokale Lundergård-Revue, muss früh aufstehen, um sich die begehrten Karten zu besorgen. Der schöne Park Sct. Knuds Kilde bildet jedes Jahr den Rahmen für die Sommerfreilichtspiele der Stadt. Wer nicht auf Live-Unterhaltung steht, kann das Kinocenter der Stadt besuchen. Insgesamt gibt es also reichlich Möglichkeiten, sich die eine oder andere Vorstellung in Hjørring anzuschauen. Es gibt auch mehrere Musikvereine, die Konzerte verschiedenster Art in der ganzen Stadt veranstalten, drinnen wie draußen.

Und dann ist da noch das Thema Sport mit dem jährlich stattfindenden Fußballturnier Dana Cup, das in KW 30 ca. 20.000 junge Fußballer aus der ganzen Welt anlockt. Damit gehört Hjørring zu den Städten mit den meisten Fußballplätzen pro Einwohner in Dänemark. Weitere Sporteinrichtungen sind der Golfplatz mit 27 (+9) Löchern, eine der besten Tennisanlagen Dänemarks, eine Schlittschuhbahn in den Wintermonaten sowie ab Anfang 2008 ein schönes neues Hallenbad mit Freizeitabteilung.