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Ganz im Westen nimmt und gibt das Meer, dynamisch und ohne Unterlass. Reine Natur über weite Strecken. Zwischen Nybækken südlich von Løkken, an der Grenze zur Jammerbugt Kommune, und dem Rande des Dünengehölzes Tversted Klitplantage bei Skiveren, an der Grenze zur Frederikshavn Kommune, trifft das Skagerrak auf 50 km Strand und formt mit Unterstützung des Windes Steilhänge und Dünen. Nur mit Wellenbrechern und Buhnen aus norwegischen Gesteinsblöcken bei Lønstrup und soliden Betonmolen am Hafen von Hirtshals stemmen wir uns dagegen und trotzen dem Meer. Von hier aus erstreckt sich in südliche Richtung die Jammerbucht, ein Name, der angesichts der großen Schiffsanker an der Mårup Kirche, genau dort, wo unsere unterschiedlichen Natur- und Kulturauffassungen aufeinandertreffen und miteinander ringen, eine sichtbare Bedeutung erhält. Und von hier aus, oder von der Tannis Bucht im Norden, sind es 30-35 km landeinwärts bis zur Heilquelle Fuglsang in der südöstlichsten Ecke der Kommune und bis zum Wasserlauf Skærum Å an der Ostgrenze zu Frederikshavn, nur zehn km vom Kattegat entfernt. Von Süden bis Norden erstreckt sich die Hjørring Kommune über gut 40 km.

Das Ackerland dominiert
Wie auch im übrigen Dänemark dominiert das Ackerland die Kulturlandschaft der Hjørring Kommune mit Feldern, die derzeit immer größer werden. Diese Entwicklung mit ausgedehnten und gleichartigen Feldfrüchten (Monokultur) und dem Einsatz von Herbiziden gegen Unkraut – wobei wir gleichzeitig immer weniger weidende Tiere auf Feldern und Wiesen sehen – setzt die Flora und Fauna des Ackerlandes weiterhin unter Druck. So ist beispielsweise die Zahl von Kiebitz, Feldlerche, Star, Rebhuhn und Hase jahrelang ununterbrochen zurückgegangen. Für den Hasen ist ein Getreide- oder Maisfeld ohne Unkraut eine Wüste.

Gebüschstreifen mit drei, sechs oder noch mehr Reihen von Laubbäumen und Beerengehölzen haben jedoch vielerorts die Kulturlandschaft sowohl biologisch als auch ästhetisch bereichert. Insgesamt mehr als 2.500 km Gehölzstreifen sind in den letzten 30 bis 40 Jahren entstanden als Ergebnis wichtiger Bepflanzungsmaßnahmen in den vier ehemaligen Kommunen, die jetzt zu einer einzigen zusammengelegt worden sind. Doch mit den immer größer werdenden Feldern verschwinden leider immer noch alte, die Felder begrenzende, windschutzspendende Hecken, ohne dass sie durch neue mehrreihige Gehölzstreifen ersetzt werden.

Von der Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit einem Natur- und Umweltberater von LandboNord auf seinem Land einen Naturplan umzusetzen, haben insgesamt neun Landwirte im Zeitraum 2005-06 in der neuen Hjørring Kommune Gebrauch gemacht. Ein solcher Plan beinhaltet konkrete Handlungsvorschläge zum Schutz der Natur, ohne den landwirtschaftlichen Betrieb negativ zu beeinflussen.

Auch die Natur hat ihren Platz
Über die Kulturlandschaft verstreut können wir uns jedoch über größere oder kleinere Naturgebiete freuen, die aufgrund ihrer Lage, ihrer Geologie und Geschichte oder

ihrer Flora und Fauna nicht nur von lokaler, sondern auch von regionaler oder sogar nationaler Bedeutung sind.
Im Westen liegen die historisch bedeutungsvollen Dünengehölze, die seit über hundert Jahren im Kampf gegen das Sandtreiben Schutz bieten – von Rubjerg und Skallerup im Süden über Tornby, Lilleheden und Uggerby bis nach Tversted im Norden. Auch dies ist ein Beispiel dafür, dass wir Widerstand geleistet haben und dass die Natur auch Kultur ist. Ebenfalls an der Küste befindet sich das Gebiet Lønstrup Klint mit dem Steilhang Rubjerg Knude, den Binnendünen von Skallerup, Vandplasken, der Mündung des Liver Å und Uggerby Strand. Weiter im Landesinneren liegt das Hügelgebiet Præstegårdsbakkerne bei Bjergby und Hjørring Bjerge. Reste der alten Buchenwälder von Vendsyssel findet man von Rugtved und Odden im Nordwesten über Baggesvogn, Slotved, Eskær und Tolne bis zum Waldgebiet Børglumkloster Skov im Südosten. Die mehr als 400 Jahre alte Skovbo-Eiche am Rande des Waldes Bøgsted Østerskov, Vendsyssels älteste Eiche, erfreut sich noch immer großer Lebenskraft.
Im Osten ragen die bewaldeten Ilbjerge empor, während die Binnendüne Dalsager Klit etwas versteckter liegt. Die Wiesen an den Ufern des Wasserlaufs Uggerby Å zwischen Ilbro und der Grenze zur Brønderslev Kommune im Süden bringen uns den Verlust der vielen Weidetiere deutlich ins Bewusstsein. Das Moorgebiet Tollestrup Mose, eine eisenzeitliche Opferstätte, wo man heute die meisten Nachtigallen in der Kommune singen hören kann, und Reste der anderen Moorgebiete östlich von Poulstrup sind ebenfalls erwähnenswert. Und noch weiter in Richtung Osten und Norden tragen zahlreiche verschiedene Landschaftstypen zur Vielfalt der Natur und der Kulturgeschichte bei. Dazu gehören die Hügel Tolne Bakker, die prähistorische Landschaft bei Højen-Bjørnager am Rande der Landspitze von Skagen und auf dem Höhenzug Jyske Ås, Katsig Bakker und Tislum Bakker, ein ausgedehntes Hügelgebiet, das vor hundert Jahren nahezu baumlos war. Måstrup Mose, Tryn Mose und Tversted Rimmer, wichtige Moorgebiete, die von „Naturwald“ überwuchert werden, sind hier ebenfalls zu nennen.

Geschützte Natur
Insbesondere mehrere der küstennahen Gebiete fallen unter das europäische Natura 2000 Netzwerk, das international geschützt ist. Fünf dieser Gebiete befinden sich in der Kommune: Uggerby Klitplantage – Mündung des Uggerby Å, Kærsgård Strand – Vandplasken – Liver Å, Rubjerg Knude – Lønstrup Klint, Tolne Bakker sowie Tislum Møllebæk – und noch zwei weitere vor der Küste, nämlich Lønstrup Rødgrund und Knudegrund aufgrund der beiden großen Steinriffe.
siehe:www.hjoerring.dk/beskyttet natur

Mehrere dieser Gebiete stehen unter strengem Naturschutz. In der Hjørring Kommune ist eine Gesamtfläche von 1880 ha geschützt, die sich auf 43 kleine und größere Gebiete verteilt. Weitere sind geplant, nämlich Præstegårdsbakkerne bei Bjergby und der noch nicht geschützte Teil von Hjørring Bjerge, dem grünen Herzen des alten Städtchens.

Das Netzwerk der Natur
Die Hjørring Kommune hat eine Fläche von 930 km2. Dieses große Gebiet wird von den Wasserläufen Liver Å, Varbro Å, Uggerby Å und Tversted Å entwässert, die im Westen und Norden in das Skagerrak münden.

Diese Wasserläufe verbinden Land und Meer über breitere und schmälere Täler, die sich zu wichtigen ökologischen Verteilungskorridoren für die dortige Flora und Fauna entwickeln können und die man als zukünftiges Netzwerk der Natur in der Großkommune bezeichnen könnte. Jedenfalls in dem Maße, in dem die Entwässerung und Düngung der Flusstäler unterbleibt. Im Südosten beginnt der Voer Å, der schließlich ins Kattegat entwässert. Und im Nordosten leitet der Nors Å das Wasser aus dem Binnenland zum trockengelegten Gårdbo See, der einst Vendsyssels größter See war und es vielleicht bald wieder sein wird und den sich Hjørring mit Frederikshavn teilen wird. Dies gilt auch für den trockengelegten Ingstrup See an der Grenze zur Jammerbugt Kommune. Die Windschutzhecken, und insbesondere die zuvor erwähnten neuen Gehölzstreifen mit Laubbäumen und Beerengehölzen sind wertvolle Elemente in diesem Netzwerk – vorausgesetzt, dass sich ihre Anzahl erheblich erhöht, und das möglichst nach einem zusammenhängenden landschaftsökologischen Plan.


Die ursprüngliche Landschaft
Die Oberfläche dieser Kulturlandschaft ist vom Menschen geschaffen. Stellen wir uns diese Oberfläche aber ohne Baumbewuchs und alles von Menschenhand Geschaffene vor – Gebäude, Windmühlen, Straßen etc. –, dann lässt sich die ursprüngliche Geschichte der Landschaft deutlich ablesen:

Die Moränenlandschaft, die uns die letzte Eiszeit hinterlassen hat, erstreckt sich in einem stark hügeligen Streifen von Hirtshals über Bjergby und Sindal bis zum Jyske Ås.

Die höchsten Erhebungen mit etwa 90 m über dem Meeresspiegel sind deutlich sichtbar im Nordwesten (Tornby Bjerg, Hellehøj und Teklahøj) und eher versteckt zwischen Wäldern und Forsten (Jomfrubjerget und Rammelhøj) zwischen Tolne und Klosterskoven.
Um diese weitläufige Hügellandschaft breitet sich der über 10.000 Jahre alte Meeresboden des ehemaligen Eismeeres (Yoldia-Meer) rund um Bindslev und Hjørring, Tårs, Vrå, Poulstrup und Løkken aus. Auf diesem Meeresboden verstreut sehen wir die Hügelinseln Børglum, Rubjerg, Vennebjerg, Vinstrup Bjerg, Hjørring Bjerge und Ilbjerge emporragen. Und dank der Vorkommen von Yoldia-Lehm finden wir hier natürlich auch die Ziegeleien, von denen die meisten heute jedoch stillgelegt sind. Im Norden und Osten erstreckt sich der lange Küstensteilhang des mehrere tausend Jahre jüngeren Steinzeitmeeres (Littorina-Meer) von Dvergetved über Eskær bis Tversted-Hirsthals. Der gehobene Boden dieses Meeres bildet heute die Landspitze von Skagen und den schmaleren Küstenrand zwischen Lønstrup und Tornby unterhalb des dortigen alten Küstensteilhangs.

Eine gemeinsame Verantwortung
Die Hjørring Kommune ist trotz alledem eine der an Naturtypen und vielfältigen Landschaften reichsten Kommunen des Landes. Vor allem die Übergänge zwischen Hügelland und gehobenem Meeresboden sind charakteristisch für die Kommune und für ganz Vendsyssel. Die Verantwortung für die Vielfalt von Flora und Fauna – die sogenannte Biodiversität – in diesen Landschaften ist ein wichtiger Teil unserer Verpflichtung für das Kulturerbe. Von der seltenen Pilzflora der Dünengehölze und den artenreichen Orchideenvorkommen an der Küste und im Binnenland bis hin zum bedrohten Frosch im Teich, der Fledermaus

in der alten, hohlen Buche, dem Schmetterling, dessen Leben von den heute so spärlichen Blütenpflanzen abhängt, dem Kranichpaar im Moor, der Forelle und dem Otter in Bach und Fluss und dem scheuen Rotmilan in seinem Nest. Letztgenannter wurde übrigens vom Umweltminister zu einer sehr stark bedrohten Art erklärt, die gerade in der Hjørring Kommune besonderen Schutz genießt.

Es ist daher eine große Herausforderung für Stadtrat und Verwaltung, für die Landwirtschaft und das Fremdenverkehrsgewerbe, für die grünen Vereine und andere Freiluftorganisationen und für alle Bürger, welche die Natur lieben und sich verantwortlich fühlen, die Natur in der Kommune zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Der Grüne Rat, in dem u.a. auch das Generaldirektorat für Forst und Natur und das kulturhistorische Museum vertreten sind, ist ein nützliches Forum für einen breiten Dialog zu diesem Thema.

Wenn man Touristen und Neubürger fragt, warum sie gerade unsere Region und unsere Kommune bevorzugen, so wird wenig überraschend gerade die Natur als wichtigstes Argument genannt. Und jetzt, wo man in Dänemark Nationalparks diskutiert und plant, ist offenkundig, dass Teile der Hjørring Kommune das Potential für einen zukünftigen Skagen Odde Nationalpark besitzen.